Warning: mysql_set_charset(): Error executing query in /home/andrione/blog.waldorfpatriot.com/wp-includes/wp-db.php on line 650
Eugenik und Darwin | Ein kurzer Überblick über Eugenik von Darwin bis heute. | waldorfpatriot.de

waldorfpatriot.de

Persönliches und Philosophisches aus dem Leben des Jonathan U.

Eugenik und Darwin | Ein kurzer Überblick über Eugenik von Darwin bis heute.

| Keine Kommentare

Der Begriff Eugenik wurde von Francis Galton eingeführt. Übersetzt aus dem alt-griechischen bedeutet er „gutes Geschlecht“ und umschreibt das Ziel, durch eine Auswahl der am besten bewerteten Eigenschaften eine höhere Menschenrasse zu züchten. Eugenik wird auch synonym mit Rassenhygiene verwendet.

Charles Darwin regte in seinem Buch Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl unter Anderem zu einer Eugenik-Diskussion an:

Unter den Wilden werden die an Körper und Geist Schwachen bald eliminiert; die Überlebenden sind gewöhnlich von kräftigster Gesundheit. Wir zivilisierten Menschen dagegen tun alles mögliche, um diese Ausscheidung zu verhindern. Wir erbauen Heime für Idioten, Krüppel und Kranke. Wir erlassen Armengesetze, und unsere Ärzte bieten alle Geschicklichkeit auf, um das Leben der Kranken so lange als möglich zu erhalten. [...] Infolgedessen können auch die schwachen Individuen der zivilisierten Völker ihre Art fortpflanzen.

Auch der Begriff des Sozialdarwinismus, der den Überlebenskampf der Natur auf das gesellschafts-politische Umfeld überträgt und menschliche Gesellschaften als Folge von natürlicher Auslese sieht und damit im starken Zusammenhang mit der Eugenik steht, geht auf Darwins Evolutionstheorie zurück.
Von Darwins Theorien inspiriert und von ihm gefördert, veröffentlichte Darwins Cousin Fancis Galton im Jahr 1869 das Buch Hereditary Genius. Das Werk beschäftigt sich mit Vererbung von Intelligenz, die Galton mit Hilfe von empirischen Methoden analysierte. Ausgehend von dieser Analyse entwickelte er später den Begriff Eugenik.
Darwin selbst distanzierte sich zwar öffentlich von einer Übertragung der natürlichen Auslese auf politisch-gesellschaftliche Verhältnisse. Dennoch äußerte er sich in Briefen begeistert über Galtons Arbeit:

I have only read about 50 pages of your book (to the Judges), but I must exhale myself, else something will go wrong in my inside. I do not think I ever in all my life read anything more interesting and original–and how well and clearly you put every point!

Kurz nach dem Erscheinen Galtons theoretischer Arbeit, propagierten andere Eugeniker die Umsetzung der Eugenik. In Deutschland waren dies vor Allem Alfred Ploetz und Wilhelm Schallmayer. Mit seiner Schrift über Die Tüchtigkeit unserer Rasse und der Schutz der Schwachen war Ploetz einer der Vordenker der nationalsozialistischen Rassenlehre. Er beschreibt hier eine Gesellschaft, in der moralische und intellektuelle Fähigkeiten zukünftiger, möglicher Eltern geprüft werden und Auswirkungen auf die Anzahl der Kinder haben sollte.

„Die Erzeugung guter Kinder […] wird nicht irgend einem Zufall […] überlassen, sondern geregelt nach Grundsätzen, die die Wissenschaft […] aufgestellt hat […]. Stellt es sich trotzdem heraus, daß das Neugeborene ein schwächliches oder missgestaltetes Kind ist, so wird ihm von dem Ärzte-Collegium […] ein sanfter Tod bereitet […].“

Neben dem Einfluss Darwins stand die Eugenik unter dem Einfluss diverser Vordenker aus dem 19. Jahrhundert, wie Arthur de Gobineau, mit seiner Rassentheorie, Benedict Augustin Morel, mit seiner Degenerationstheorie und Friedrich Nietzsche, mit seiner „Herrenmoral“. Aber auch in antiken Schriften, wie Platons Politaea und Aristoteles Politik, findet man (ansatzweise) die Idee von Menschenzucht.
So fand die Eugenik einen weltweiten Höhepunkt in der Theorie zum Ende des 19. Jahrhunderts und in ihrer Umsetzung mit der Ermordung von sechs-Millionen Juden, Roma und anderer aus nationalsozialistischer Sicht minderwertiger Menschen von 1933 bis 1945 in Deutschland.
Zwischen 1890 und 1980 fanden aber auch eugenische Maßnahmen in anderen Industrienationen statt. So z.B. in den USA mit einem Heiratsverbot und Zwangssterilisierung für (scheinbar) geistig oder körperlich Behinderte und Epileptiker. Aber auch in der Schweiz und in allen skandinavischen Ländern fanden sich entsprechende Gesetzestexte. Hier dauerten die Eugenikprogramme bis in die 1970er Jahre hinein an.
Racial Hygiene Poster
Sogar in Deutschland nach 1945 wurde Zwangs-Sterilisation weiter praktiziert. Den Abriss der Zwangssterilisierung in Deutschland von 1945 bis heute, soll beispielhaft die Veränderung der Eugenikdisksussion darstellen.
Ähnlich wie in Schweden und der Schweiz wurden auch nach 1945 so genannte geistig behinderte Mädchen und Frauen sterilisiert. Nur in Deutschland gab es spätestens ab 1973 keine gesetzliche Regelung mehr und somit war die Zwangs-Sterilisation illegal. Ab 1992 gab es zwar wieder eine gesetzliche Regelung, die Sterilisation bei einwilligungsfähigen Frauen nur auf freiwilliger Basis erlaubte. Ärztlich festgestellte einwilligungsunfähige Frauen und Mädchen wurden jedoch dennoch zwangs-sterilisiert.
Seit 2003 ist diese Praxis aus finanziellen Gründen Eingeschränkt: die Krankenkassen zahlen eine Sterilisation nur noch, wenn sie aus medizinischer Sicht notwendig ist.
Die allgemeine Erklärung der Menschenrechte erhält den Satz:
„Heiratsfähige Männer und Frauen haben ohne jede Beschränkung auf Grund der Rasse, der Staatsangehörigkeit oder der Religion das Recht, zu heiraten und eine Familie zu gründen.“
Woraus sich eine Ablehnung von Eugenik in jeder Form ableiten lässt.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Idee einer perfekten Menschenrasse war schon in der Antike eine im philosophischem Rahmen diskutierte Idee. Durch das aufblühen der Naturwissenschaften und Darwins Evolutionstheorie als Katalysator, fand die Eugenik jedoch im 19. Jahrhundert besonders viele Anhänger.
So wurde sie im 20. Jahrhundert systematisiert und wird bis heute, wenn auch aufgrund von Individualentscheidungen und meist mit Einverständnis betreffenden Personen, praktiziert.

Quellen:
1: zitiert nach Gunter Mann: Neue Wissenschaft im Rezeptionsbereich des Darwinismus: Eugenik – Rassenhygiene, in: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte, Athenaion 1978, S. 104.
2: Eugenik: von altgriechisch eu „gut“ und genos „geschlcht“.
3: Charles Darwin: Letter from Darwin to Galton, aus: Letters of Charles Darwin, url:galton.org/letters/darwin/correspondence.htm, 25.1.10.
4: Alfred Ploetz: Die Tüchtigkeit unsrer Rasse und der Schutz der Schwachen, S. 141, zitiert nach Massimo Ferari Zumbini: Die Wurzeln des Bösen. Gründerjahre des Antisemitismus: Von der Bismarckzeit zu Hitler, Frankfurt a. M. 2003, S.406.
5: Brigitte Faber: Eugenik, Sterilisation, fremdnützige Forschung, aus:Bundesministerium für Famile, Senioren, Frauen und Jugend: Einmischen Mitmischen, url: http://www.einmischen-mitmischen.de/index.php?option=com_content&view=article&id=140&Itemid=55, 25.1.10.
6: Generallversammlung der Vereinten Nationen: Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Paris 1948, Artikel 16, Absatz 1.

______________________________
Jonathan Uhmann, Alfter, den 31.1.10.

Share Button